Geschichte

Sport und Körperkultur sind an der staatlichen Universität St. Petersburg bereits im Laufe von mehr als 200 Jahre aufs engste mit dem ersten überdachten Sportkomplex in Russland verbunden, das auf dem Universitätscampus liegt und „je de paume“ heißt. Dieses Gebäude wurde 1793 für Körperkulturzwecke gebaut. Zurzeit ist in diesem Gebäude der Lehrstuhl für Körperkultur und Sport der staatlichen Universität St. Petersburg untergebracht.

Das Spiel „je de paume“ ist eines der ältesten Sportspiele, das die Grundlage vieler moderner Spiele bildet. Bis Mitte des XIX. Jahrhunderts war dieses Siel ein Bestandteil der allgemeinen Körpererziehung von Kadetten. Dieses Spiel wurde auch in der russischen Zarenfamilie gespielt.

1867 wurde dieses Gebäude der Universität übergeben. Der zunehmende Trend zur Körperkultur bei den aktiv gewordenen Studenten trug zur Entwicklung des Systems der Körpererziehung an den Hochschulen Russlands bei.

Am 1. November 1901 wurde an der Universität im „Je de paume“-Gebäude der Kurs der sogenannten schwedischen Gymnastik und Athletik angeboten. Dieser Kurs wurde vom Studenten der Jura-Fakultät I.W. Lebedew initiiert und geleitet. Dieser Kurs existierte bis 1905 und wurde zum Vorbild des Lehrstuhls für Sport, da waren 3 Trainer und noch ein Mitarbeiter angestellt. Der erste Professor für Athletik (heutzutage wäre er bestimmt Lehrstuhlinhaber genannt) I.W. Lebedew veranstaltete regemäßige Wettkämpfe in Schwerathletik, zum Schluss seiner Universitätskarriere hat er noch die Zeitschrift „Illustriertes Magazin für Sport und Athletik“ herausgegeben, wo es über die Aktivitäten von diesem Kurs publiziert wurde.

Dann bis 1928 wurde Sport an der Universität auf der Laienbasis getrieben: Studenten haben verschiede Sportsektionen sowohl an der Universität als auch außerhalb der Universität besucht. Damals nahmen Studenten der Universität nicht ohne Erfolg an vielen Sportkämpfen teil. 1908 wurde Russland zum ersten Mal an den Olympischen Spielen in London mit 8 Sportlern vertreten, zwei unter ihnen waren Universitätsstudenten – der eine Jura-Student Georgij Demin (Kampfsport), der andere Absolvent der physisch-mathematischen FakultätNikolai Panin-Kolomenkin (Eiskunstlauf), der zum ersten russischen Olympiasieger wurde. 1912 wurden von Russland zu den olympischen Spielen nach Stockholm 178 Sportler geschickt, unter ihnen gab es 7 Universitätsstudenten, die in 5 Sportarten vertreten waren.

Im Oktober 1928 wird Körperkultur laut der Anordnung des Universitätsvorstandes im Curriculum als obligatorischer Kurs an allen Fakultäten verankert. Es wurde zuerst ein Kabinett für Körperkultur beim Kabinett für Militärausbildung gebildet, dessen Leiter Militärtrainer G.I. Owtschinnikow war. Zum Kabinett für Körperkultur gehörten 1929 einige Trainer, die früher in verschieden Sportsektionen an der Universität gearbeitet haben, und noch zwei ganz junge Sportlehrerinnen ß E.P. Petrowa und L.P. Makarowa, die 1928 die P.F. Lesgaft-Sporthochschule absolviert hatten.

In den 30-er Jahren wurden beide Kabinette (für Körperkultur- und Militärausbildung) voneinander getrennt. Zum ersten Lehrstuhlinhaber in der Sowjetzeitwurde Ewgenij P. Petrow. Zahlmäßig verdoppelte sich die Lehrerkörperschaft bereits im Laufe des ersten Jahrzehnts. Hier wurden die besten Trainer von Leningrad versammelt – N.P. Seryj, M.W. Tyschko. D.P. Ionow, A.J. Schechtel, J.W. Schechter, G.I. Schewaldyschew, B.S. Bretschko u. a. Dadurch erlangte die Universität eine führende Position in der Sporthierarchie nicht nur unter den anderen Hochschulen Leningrads, sondern auch in der Stadt und sogar im ganzen Lande.

1937 wurde an der Leningrader Universität der erste Sportklub im Lande geöffnet, zu dessen Ziel es die Ausarbeitung des Vorbereitungssystems von Meistern desSports wurde. In diesem Jahr wurde auch im Vorort Vyriza bei Leningrad das erste im Lande Sportferienlager für Studenten organisiert.

Der Große vaterländische Krieg hat die Arbeit des Lehrstuhls für Körperkultur unterbrochen. Viele Sporthochschullehrer wurden an die Front geschickt, einige aus dem belagerten Leningrad evakuiert, ein Teil ist in der Stadt geblieben und sorgte für körperliche Kondition der Bürgermilitärsoder machte Krankengymnastik für Verletzte.

Ende 1944 sind die ersten Mitarbeiter des Lehrstuhls aus der Evakuation zurückgekommen, 1945 funktionierten wieder der Lehrstuhl für Körperkultur und Sport und der Sportklub, zu dessen ersten Vorsitzenden Professor M.I. Winogradow gewählt wurde.

Trotz der Verluste im Großen vaterländischen Krieg wurden die besten Traditionen des Lehrstuhls sorgfältig aufbewahrt, die meisten Hochschullehrer mit dem Lehrstuhlinhaber Wassilij F. Miroschnikow, einem der besten Organisatoren des Studentensports, an der Spitze sind heil geblieben.

1946-1951 wurden vom Lehrstuhl viele Innovationen in der Körperkultur der Studenten eingeführt. So wurde 1946 die sogenannte medizinische Sondergruppe (für Studenten mit einigen Gesundheitsproblemen) gegründet, die vom Hochschullehrer E.P. Petrow geleitet wurde, der auch eine medizinische Ausbildung hatte. Seit 1947 wurde zum ersten Mal im Lande das System der Sportfachrichtungen eingeführt, d.h. dass Studenten die Möglichkeit bekommen haben, die von ihnen gewählte Sportart zu treiben. Ende der 40-er Jahre gab es an der Universität 18 Sportsektionen, wo 900 Studenten Sport trieben. 1969 gab es schon 29 Sektionen, die 7900 Studenten besuchten. In dieser Zeit (1946-1968) wurden auch 111 Meister des Sports der UdSSR vorbereitet

Wissenschaftlich-anwendungsbezogene Arbeit wurde am Lehrstuhl noch vor dem zweiten Weltkrieg geführt, seit 1960 wurde sie aber auf ein viel höheres Niveau gebracht. 1985 wurde nach dem Beschluss des Bildungsministeriums der RSFSR am Lehrstuhl für Körperkultur der Leningrader Universität ein wissenschaftliches Labor zur Beschäftigung mit den Problemen der Körperkultur und des Sports gegründet. Seit dieser Zeit wird vom Lehrstuhl regelmüßig der Sammelband „Fragen der Körperkultur der Studenten“ herausgegeben.

Seit 1952, als UdSSR zu einem gleichberechtigten Teilnehmer der Olympischen Spiele wurde, gab es fast immer unter den Olympiasportlern Vertreter der Leningrader/St. Petersburger Universität. Zu ihnen gehörten solche hervorragenden Sportler wie Olympiasieger G. Schatkow (1956, Boxen), E. Osolina (1960, Leichtathletik), J. Tarmak (1972, Leichtathletik), T. Kasankina (1976, 1980, Leichtathletik), A. Krylow (1980, Schwimmen); Schachweltmeister B. Spasskij (1969-1972), A. Karpov (1975-1985) und mehrfacher Kandidat zum Schachweltmeister W. Kortschnoj.

Im Laufe von 70 Jahren seiner Existenz wurden vom Lehrstuhl für Körperkultur und Sport 47 Meister des Sports der internationalen Klasse und etwa 500 Sportler der höheren Qualifikation (Meister des Sports der UdSSR) vorbereitet. Unter Ihnen gab es viele Welt-, Europa-, UdSSR- und RF-Meister.

Zurzeit verfügt der Lehrstuhl für Körperkultur und Sport über ein gutes Sportkomplex – Schwimmbad, Schizentrum, Spielräume, Ringhalle, Sonderräume für Aerobic, Boxen und andere Sportarten. Der Sportunterricht für Studenten wird in mehr als 30 Sportarten angeboten und von hochqualifizierten Sporthochschullehrern und Trainern durchgeführt. Der Lehrstuhl für Körperkultur und Sport pflegt internationale Kontakte mit den Universitäten aus Deutschland, Polen, Ungarn, Tschechien, der Schweiz und aus den anderen Ländern.